Identifizierung durch Zeugen

Bekanntlich gehören Zeugen zu den schlechtesten Beweismitteln. Sehr häufig erinnern sie sich falsch, meinen eine falsche Person als Täter zu erkennen oder sagen sogar gezielt falsch aus.

Das Wiedererkennen des Angeklagten im Gerichtstermin ist ein häufiges Problem. Wenn der Zeuge gefragt wird, ob die neben dem Anwalt sitzende Person der Täter ist, kann es nicht verwundern, dass der Zeuge dies bestätigt. Warum sollte die Person sonst neben dem Strafverteidiger sitzen?

Sehr beliebt und wirkungsvoll ist folgender Trick: Der Verteidiger setzt den Angeklagten in den Zuschauerraum neben weitere Personen, die ihm ähnlich sehen. In sehr vielen Fällen erkennt der Zeuge den angeblichen Täter tatsächlich nicht mehr.

Der BGH hat nun die Anforderungen an das Wiedererkennen des Täters wie folgt formuliert: Der Richter darf sich nicht ohne weiteres darauf verlassen, dass der Zeuge sich sicher ist, den Täter wiedererkannt zu haben. Vielmehr muss der Richter anhand objektiver Kriterien nachprüfen, welche Beweisqualität dieses Wiederkennen hat (BGH, 08.12.2016, 2 StR 408/16).

Der Zeuge muss daher objektive Merkmale nennen können, anhand derer er den Angeklagten erkannt hat (Größe, Figur, Haarfarbe, Brille oder Bart, besondere Merkmale).

Prüft der Richter derartige Merkmale nicht ab, kann dies zu einer erfolgreichen Revision und zur Aufhebung des Urteils führen.

Fazit: Es reicht also nicht aus, wenn der Zeuge einfach sagt, die Person neben dem Verteidiger sei der Täter.

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