Jugendstrafrecht

Ihr Anwalt für Jugendstrafrecht  in Würzburg

 

Anwendung des Jugendstrafrechts

Jeder Kontakt mit Strafverfolgungsbehörden löst bei den meisten Betroffenen – sei es bei dem Beschuldigten selbst als auch bei dessen Angehörigen – Stress, Verunsicherung und Angstgefühle aus. Besonders bei Kindern und Jugendlichen kann dieses zu schwerwiegenden psychischen Folgen führen. Daher genießen diese einen besonderen Schutz. So können in Deutschland nach dem Jugendgerichtsgesetz (JGG)  nur diejenigen Täter für eine Straftat strafrechtlich zur Verantwortung gezogen werden, die strafmündig sind. Diese beginnt mit der Vollendung des 14. Lebensjahres, vorausgesetzt dass der Jugendliche zur Zeit der Tat nach seiner sittlichen und geistigen Entwicklung reif genug war, das Unrecht seiner Tat einzusehen und nach dieser Einsicht zu handeln. Als Jugendliche gelten hierbei 14- bis 17jährige. Aber auch auf Heranwachsende (18- bis 20 jährige) kann das Jugendstrafrecht angewendet werden. Voraussetzung hierfür ist es, dass sie vom Entwicklungsstand her eher Jugendlichen als Erwachsenen entsprechen. Darüber entscheidet das zuständige Gericht, ggf. unter Zuhilfenahme eines Gutachters.

Jugendstrafrecht oder Erwachsenenstrafrecht?

Für die Beurteilung, ob der Täter in seiner geistigen und sittlichen Entwicklung einem Jugendlichen gleichsteht, ziehen die Gerichte u.a. die sogenannten „Marburger Kriterien“ heran. Zu diesen zählen im wesentlichen die nachfolgenden Punkte:

  • unausgereifte Persönlichkeit
  • naives Verhalten
  • spielerische Einstellung zur Arbeit
  • Neigung zu Tagträumen
  • Abgrenzung zu Erwachsenen
  • Starkes Anlehnungsbedürfnis
  • Rollenspiele, insbesondere selbstwerterhöhende Rolle
  • mangelnder Anschluss an Gleichaltrige.

 

In der Gesamtheit ist aber wichtig zu wissen, dass das Jugendgerichtsgesetz zwar den Umgang mit Straftaten Jugendlicher und Heranwachsender regelt, nicht jedoch die Strafbarkeit einer Handlung. Diese werden auch im Jugendstrafrecht nach dem StGB geahndet. Demnach regelt das Jugendgerichtsgesetz ausschließlich das Strafverfahren als solches. Hierzu gehören die Sanktionierung und die Vollstreckung bei Verfahren gegen Jugendliche oder Heranwachsende, die sich einer Straftat schuldig gemacht haben. Im Vordergrund steht dabei der Grundsatz: „Erziehung steht vor Strafe“.

Jugendgerichtshilfe

Bei der Anwendung des Grundsatzes, dass „Erziehung vor Strafe“ stehen soll, kommt der Beurteilung der sog. Jugendgerichtshilfe eine große Bedeutung zu. Die Jugendgerichtshilfe hat in Würzburg ihren Sitz in der Karmelitenstraße 20; sie ist in das gerichtliche Procedere eingebunden, nimmt vor der Hauptverhandlung Kontakt zum Angeklagten auf und lädt ihn zu einem Gespräch ein. In der Hauptverhandlung selbst erstattet sie dann einen Bericht über den Jugendlichen und macht einen Vorschlag, ob bzw. wie er bestraft werden sollte. Dabei erfolgt eine Gesamtwürdigung aller Umstände des Einzelfalls.

Bereits zu diesem Zeitpunkt ist es wichtig, einen erfahrenen Anwalt als Verteidiger hinzuzuziehen. Er kann beurteilen, welches Verhalten am sinnvollsten ist und welche Maßnahmen ggf. zu ergreifen sind.

Als fachanwaltliche Kanzlei für Strafrecht in Würzburg bieten wir auch für jugendliche und heranwachsende Straftäter professionelle Hilfe an.

 

Welche Sanktionsmöglichkeiten können zur Anwendung kommen?

Als Sanktionen kommen die Verhängung von Erziehungsmaßregeln, die Verhängung von Zuchtmitteln, die Aussetzung der Entscheidung über die Verhängung einer Jugendstrafe zur Bewährung und die Verhängung einer Jugendstrafe mit und ohne Bewährung in Betracht.

Insbesondere die Erziehungsmaßnahmen gelten der Besserung des Jugendlichen. Zu diesen zählen die Auflagen oder Anordnungen,

  • Weisungen zu befolgen, die sich auf den Aufenthaltsort beziehen
  • bei einer Familie oder in einem Heim zu wohnen
  • eine Ausbildungs- oder Arbeitsstelle anzunehmen
  • Arbeitsleistungen zu erbringen
  • sich der Betreuung und Aufsicht einer bestimmten Person (Betreuungshelfer) zu
    unterstellen
  • an einem sozialen Trainingskurs teilzunehmen
  • sich zu bemühen, einen Ausgleich mit dem Verletzten zu erreichen
  • den Verkehr mit bestimmten Personen oder den Besuch von Gast- oder
    Vergnügungsstätten zu unterlassen
  • an einem Verkehrsunterricht teilzunehmen.

Als Zuchtmittel gelten Verwarnungen, Auflagen und Jugendarrest. Sie dienen der  Bestrafung des Jugendlichen für seine Tat. Eine Verwarnung wird in der Regel mit einer Erziehungsmaßregel kombiniert, da sie ansonsten nur eine förmliche Zurechtweisung durch den Richter darstellen würden. Auflagen finden sich zumeist in der Form der Wiedergutmachung, einer Entschuldigung oder in der Erbringung von Arbeits- oder Geldleistungen. Der  Jugendarrest wiederum setzt auf Abschreckung und kann in Form eines Freizeit-, Kurz- oder Dauerarrests ausgesprochen werden.

Über die Erziehungsmaßnahmen hinaus kann auch als sog. „ultima ratio“, als äußerstes Mittel, eine Jugendstrafe verhängt werden. Die Jugendstrafe ist ein Freiheitsentzug in einem Jugendgefängnis (Bereich Unterfranken: JVA Ebrach) und wird vom Richter dann verhängt, wenn wegen der schädlichen Neigungen des Jugendlichen, die in der Tat hervorgetreten sind, Erziehungsmaßregeln oder Zuchtmittel zur Erziehung nicht ausreichen oder wenn wegen der Schwere der Schuld eine Strafe erforderlich ist. Dabei richtet sich die Dauer der Jugendstrafe nicht nach dem Strafrahmen aus dem StGB (maximal 15 Jahre oder sogar lebenslänglich), sondern sie beträgt zwischen sechs Monaten und zehn Jahren. Die letztendlich verhängte konkrete Dauer orientiert sich dabei am erzieherischen Bedarf des Täters und dem Schuldausgleichsbedürfnis der Allgemeinheit. Es besteht zwar die Möglichkeit zur Aussetzung in Form einer Bewährung, allerdings kann eine solche nur ausgesprochen werden, wenn die Jugendhaft weniger als zwei Jahre beträgt und eine positive Sozialprognose besteht.

Eine Jugendstrafe stellt die härteste Sanktion im Jugendstrafrecht dar. Als Fachanwalt für Strafrecht in Würzburg werden wir im Falle eines Rechtsbeistands für jugendliche und heranwachsende Straftäter alle Möglichkeiten ausschöpfen, eine solche zu vermeiden. Dieses erstreckt sich auch auf die Vermeidung einer Untersuchungshaft.

Untersuchungshaft

Eine Untersuchungshaft darf  bei Jugendstrafsachen nur verhängt oder vollstreckt werden, wenn ihr Zweck nicht durch eine vorläufige Anordnung über die Erziehung oder durch andere Maßnahmen erreicht werden kann. Dies gilt zwar nur für Jugendliche und nicht für Heranwachsende, aber in bestimmten Fällen ist eine Untersuchungshaft auch bei Jugendlichen möglich. Voraussetzung für eine Untersuchungshaft ist ein dringender Tatverdacht, das Vorliegen von Haftgründen (zum Beispiel Flucht oder Fluchtgefahr, Verdunkelungsgefahr, Schwere des Delikts oder Wiederholungsgefahr) sowie die Verhältnismäßigkeit. Im Rahmen der Verhältnismäßigkeit ist zu prüfen, ob die Unterbringung in einem Jugendhilfeheim nicht ausreichen könnte. Darüber hinaus muss die besondere Belastung der Haftvollstreckung bei Jugendlichen bedacht werden. Hier stützt sich der Richter oft auf den Bericht der Jugendgerichtshilfe. Ein guter Anwalt kann positiv einwirken, um eine Untersuchungshaft zu vermeiden.

Welche Einstellungsmöglichkeiten gibt es im Jugendstrafverfahren?

Nicht selten handelt es sich bei Jugendstrafsachen um Straftaten, die im weiteren Sinne als „Bagatelldelikte“ gelten und wegen Geringfügigkeit eingestellt werden können. Hält der Staatsanwalt die Beteiligung eines Richters und die Anklageerhebung für nicht notwendig, so kann in diesem Fall das Strafverfahren ohne Zustimmung des Jugendrichters eingestellt werden. Möglich ist auch eine Einstellung wegen der Durchführung einer erzieherischen Maßnahme. Eine solche muss allerdings bereits durchgeführt oder eingeleitet worden sein. Ein Strafbefehl kann gegen Jugendliche nicht erlassen werden, § 79 Abs. 1 JGG, und gegen Heranwachsende nur, wenn im Ergebnis Erwachsenenstrafrecht zur Anwendung kommt. In der Praxis bestehen dadurch oft erweiterte Möglichkeiten, zu einer Verfahrenseinstellung zu gelangen: Während ein und derselbe Sachverhalt beim Erwachsenen zu einem Strafbefehl führen kann, besteht diese Möglichkeit beim Heranwachsenden nicht, so dass es zur mündlichen Verhandlung kommt. Ein versierter Verteidiger kann dabei durch geeignete prozessuale Maßnahmen erreichen, dass es zu einer Verfahrenseinstellung kommt, so dass es auch zu keinem Eintrag im Führungszeugnis kommt.

Als fachanwaltliche Kanzlei für Strafrecht in Würzburg werden wir im Falle eines Rechtsbeistands für jugendliche und heranwachsende Straftäter alle Möglichkeiten zur Einstellung des Verfahrens intensiv untersuchen und auf eine solche hinwirken.

 

Wie verhalte ich mich als Elternteil, wenn gegen meinen Sohn / meine Tochter ein Strafverfahren eingeleitet worden ist?

Auch im privaten und familiären Bereich sollte nicht die Strafe im Vordergrund stehen, sondern vielmehr der Grundsatz „Erziehung vor Strafe“. So soll nach Möglichkeit ein angemessener Ausgleich zwischen Erziehung und Strafe gefunden und auf eine Besserung des Verhaltens hingewirkt werden. Dabei sollte nicht vergessen werden, nach den Ursachen des Fehlverhaltens zu suchen, selbst wenn diese bei den Eltern oder Erziehern liegen sollten. Besonders wichtig ist es aber, dass man als Eltern oder Erziehungsberechtigte so früh wie möglich einen auf Strafrecht oder Jugendstrafrecht spezialisierten Rechtsanwalt einschaltet, um das Beste aus dieser verfahrenen Situation zu machen und seinem Kind / Anvertrauten einen Fachmann zur Seite zu stellen.

Als fachanwaltliche Kanzlei für Strafrecht in Würzburg haben wir schon zahlreiche Verfahren auf dem Gebiet des Jugendstrafrechts erfolgreich betreut, die uns von Eltern oder Erziehungsberechtigen übertragen wurden. Dabei kommt den von uns verteidigten Jugendlichen und Heranwachsenden zugute, dass wir bestens mit den Besonderheiten des Jugendstrafrechts vertraut sind und zu Jugendgerichten und Jugendgerichtshilfe gute Kontakte pflegen. Wir besitzen ein hohes Maß an Einfühlungsvermögen und Verständnis, was im Bereich des Jugendstrafrechts von besonderer Bedeutung ist.